Fliegender Einzug bei Rauch & Groen

Mitte Dezember war es soweit, dass ich Renata die ersten 19 Modelle von GOLETZ BOWTIES präsentieren konnte. Alles handgefertigte Unikate, made in Berlin, die von nun an in ihrem Laden an den Mann gebracht werden sollten.

 

 

Bereits zwei Tage später rief sie mich freudestrahlend an:

„Daniel du wirst es nicht glauben, aber ich habe bereits das erste Modell an eine Kundin aus Holland verkauft – das wird das Geburtstagsgeschenk für ihren Freund!“

Na das ging ja fix. Auch die anderen Modelle kamen gut bei Renatas Kunden an und so konnte ich mich im kommendem halben Jahr näher mit der Idee auseinander setzen mich tatsächlich selbständig zu machen. Ich widmete mich einer intensiven Marktanalyse, ob es vergleichbare Produkte gibt und wer meine Konkurrenten sind. Zu meinem Erstaunen stellte ich fest, dass gefiederte Fliegen in Europa noch eine Innovation sind. Das erfolgreiche US-Label Brackish Bowties machte es in den Staaten vor – Federfliegen in Handarbeit für Hochzeiten im ganzen Land. In sage und schreibe 76 Stores in ganz Amerika gab es ihre wunderschönen Stücke zu erwerben. Es gab also sowohl einen Markt, als auch das entsprechende Produktpotential. Doch trotz all meiner Bemühungen gelang es mir nicht ein entsprechendes Pendant für Deutschland und Europa zu finden. Das war also meine Chance, meine Nische.

Zusammen mit Renata und ihrem Kundenfeedback optimierte ich die Produkte stetig weiter. Ich fand heraus welche Verpackung am ansprechendsten wirkt, welche Modelle funktionieren und welche Preise ich für die Produkte verlangen kann. Ich schärfte die Corporate Identity mit einer Überarbeitung des Logos und entwickelte die besondere Verschlusstechnik meiner Fliegen. Als Anstecker konzipiert bekamen die Fliegen nun ein Band mit höchst bedienungsfreundlichem Verschluss. Das Logo wurde ab sofort in die Bänder eingenäht, um die Marke zu stärken. Weitere Modelle wurden entwickelt und neue Designs ausgearbeitet, damit im Oktober 2015 der nächste große Schritt folgen konnte…

Erfahrt mehr zu Renata und ihrem Shop hier: https://www.facebook.com/rauchundgroen/

 

STAY TIED!

Im Verkauf zählen auch die äußeren Werte

Nachdem Produkte und Logo nun in der Erstfassung standen, musste ich mir überlegen wie ich die Artikel für den Kunden verpacke. Die Verpackung eines Produktes finde ich nämlich von entscheidender Bedeutung für eine offline Kaufentscheidung. Dies stellte mich vor eine erste Problematik. In winzigen Stückzahlen sind Verpackungen entsprechend teurer, als wenn man sie in großen Mengen einkauft. Das Format muss stimmen. Die Fliegen brauchen im Inneren der Verpackung eine Befestigung, damit sie beim Transport nicht herum fliegen oder gar die Federn beschädigt werden. Zudem muss die Verpackung ja auch deutlich den Markennamen zeigen. Ich entschloss mich dafür kleine Kissenschachteln zu nehmen. Das längliche Format passte zum Produkt, die Höhe der Schachtel reichte für die Fliege aus und das Inlay ließ sich wunderbar aus Lochkarton zuschneiden. Das Branding der Verpackung löste ich mit einer Sticker-Applikation. Fertig waren die ersten Exemplare für Renata. Auf damit zu Rauch&Groen!

Ich wollte jedoch die Reaktion der Kunden austesten und verschiede Verpackungsvarianten ausprobieren. Die Produkte legte ich in 3 Preiskategorien an. Die Basics kamen in die Kissenschachteln. Für die teureren Federmodelle besorgte ich naturfarbene Pappschachtel und Baststoff als Inlay. Und für die teuersten Modelle gab es eine schwarze Box mit Lochkarton-Einlage.

Die Geburt von GOLETZ BOWTIES

Doch wie sollte das Label heißen? Es musste unbedingt einen Bezug zum Produkt haben und dennoch einen individuellen Namen bekommen. Da die Marke auf lange Sicht international ausgerichtet werden sollte, brauchte ich einen englischen Touch. Ich entschied mich also für „Goletz“ (meinen Familiennamen) und „bow tie“ (englisch für Fliege) – geboren war GOLETZ BOWTIES. Für die Corporate Identity ließ ich mich von der Ästhetik alter Barber-Shops inspirieren. Ein wenig Saloon, ein wenig Kreidetafel, die doppelte Linienführung und eine Typewriter Schriftart, die in Kombination mit einer ruhigen Schrift moderner erscheint. In der Logo-Entwicklung kamen unterschiedlichste Komponenten zusammen – einfachste geometrische Formen, charakteristische Typographie und das Einbauen der Initialen in die Fliegen-Grafik. Was dabei für die erste Fassung des Logos heraus kam, seht ihr hier:

 

 

In der ersten Fassung des Logos war der Name der Marke noch recht klein, das Thema stand zu sehr im Vordergrund. Dieser Umstand wurde später bei der Entwicklung der gestärkten CI in einer Überarbeitung ausgeglichen. Das finale Markenlogo sieht nun so aus:

 

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Die Euphorie der ersten Stunde

Die Idee eine eigene Marke zu gründen ließ mich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr los. Aber wie? Ich hatte bereits lange genug in meiner Branche Erfahrungen gesammelt, um zu wissen, dass der Aufbau eines neuen Unternehmens bei Weitem kein Zuckerschlecken ist. Ich komme noch nicht einmal aus einer Unternehmerfamilie! Mein Vater ist Maschinenbaumechaniker und meine Mutter arbeitet im Bereich Controlling für eine große, internationale Computerfirma. Auf wessen Rat sollte ich also zurück greifen, wo ich doch nur die Erfahrungen aus einer sicheren Festanstellung kannte? Hier entstand der Leitsatz, den ich mir auch heute noch immer wieder ins Gedächtnis rufe, wenn ich von der Ungewissheit des Bevorstehenden übermannt zu werden drohe:

„Mach es einfach!“

Also legte ich die Bedenken beiseite und begann in meinem Stofffundus zu kramen. Nach einer halben Stunde sah mein Wohnzimmer bereits aus wie ein Stoffmarkt – Leder, Samt, Musterstoffe und Federn lagen nach Farbe und Textur sortiert verteilt im Raum. Ich ließ mich von Optik und Haptik der Materialien inspirieren und stellte die unterschiedlichsten Prototypen zusammen. Am Ende der Nacht war die erste kleine Kollektion meiner bis dato namenlosen Marke geboren.

„…auf der Suche nach besonderen Herrenaccessoires…“

Es war ein angenehm frischer Dezember-Tag im Jahr 2014 und ich befand mich auf dem Weg zu einem Termin in Berlin Friedrichshain. Mit reichlich Zeit im Gepäck schlenderte ich durch die Straßen des dynamischen Bezirks und ließ mich von meiner Neugierde durch die Straßen treiben. Ich genoß die sanfte Kälte der schmelzenden Schneeflocken auf meiner Wange und begutachtete die schön dekorierten Advents-Schaufenster. Normalerweise ging ich eine andere Route, aber heute sollte etwas besonderes passieren. Ich fand mich wieder in der Gärtnerstraße, nahe dem bekannten Boxhagener Platz und wurde von einem ganz besonderen Schaufenster fasziniert. Die Dekoration und das tolle Ambiente sprachen mich derart an, dass es mich förmlich in den Laden zog. Ein kurzer Check meiner Uhr versicherte mir, dass noch genügend Zeit blieb durch das Sortiment im Inneren zu stöbern. Also betrat ich den Laden und wurde familiär von der Besitzerin Renata Rauch begrüßt. Mit höchst sympathischer Art begleitete sie mich durch ihr liebevoll selektiertes Sortiment verschiedenster Marken. ich erfuhr, dass sie vor allem polnischen Nachwuchsdesignern eine Präsentationsfläche bieten wollte. Auch ein näherer Blick auf die Verarbeitung zeugte von der Qualität der Artikel und rechtfertigte ihren leicht gehobenen Preis. „Slow Fashion“ hieß das Konzept, das eine Gegenrichtung zum unbewussten Massenkonsum darstellt. Ich war durchaus beeindruckt und euphorisiert vom Shop „Rauch&Groen“. Auch die Männerabteilung war toll ausgestattet und bot von leger bis chic verschiedene Stilrichtungen an. Damals arbeitete ich noch für ein Berliner Label im Bereich DOB. Seidenblusen und Abendkleider waren unsere Hauptprodukte. Ich sprach mit Renata darüber, Designs von uns in ihrem Laden platzieren zu wollen und wir tauschten unsere Kontaktdaten aus. Aus dieser positiven Atmosphäre heraus fragte sie unverfänglich:

„Ich bin auf der Suche nach besonderen Herren-Accessoires – hast du da vielleicht auch jemanden für mich?“

Und da war die Idee von GOLETZ BOWTIES geboren. Ich hatte mich bereits länger mit der Idee eines eigenen Labels beschäftigt, aber Bekleidung ist ein schwieriges Metier für ein Start-Up. Accessoires hingegen erschienen mir zu schaffen – die geringen Kosten für Materialanschaffungen und die minimalen Lagerkapazitäten könnten zu bewältigen sein. Nach kurzer Überlegung, die mir nur wie ein Wimpernschlag erschien hörte ich mich sagen:

„Gib mir zwei Wochen Zeit, dann bringe ich dir etwas vorbei!“

Was hatte ich da gerade gesagt? Ich verließ den Laden mit einem herzlichen Gruß und machte mich auf den Weg zu meinem Termin, während mein Kopf im Hintergrund bereits auf Hochtouren zu arbeiten begann…